23. November 2013

Wie jeder ein kleines bisschen die Welt retten kann


Wie vielleicht eine schon mitbekommen haben, schreibe ich mittlerweile für unsere Uni-Zeitung, das Medizynisch. Die aktuelle Ausgabe kam letzte Woche raus und auch darin findet ihr einen Artikel von mir. Die gesamte Ausgabe findet ihr übrigens hier zum Download, es lohnt sich auf jeden Fall, vorbeizuschauen! Der Einfachkeit halber dachte ich mir aber, dass ich euch meinen Artikel auch hier noch einmal kurz vorstelle. Und keine Angst, es ist keine Hetze auf Carnivoren, sondern einfach nur eine neutrale Darstellung von einfach Fakten.

„Pflanzliche Ernährung ist schlau, macht schlank und schützt die Umwelt.“ – Sätze wie diese liest man momentan zur Genüge. Vegan ist in, so viel steht fest. Die Wissenschaft stützt immer mehr Thesen der vegetarischen und veganen Ernährung. Fleisch- und Lebensmittelskandale tun ihr Übriges. Aber was steckt wirklich hinter dem Allen? 

Veganismus ist eine Lebens- und Ernährungsweise, die mehr oder weniger aus dem Vegetarismus hervorging. Heutzutage weiß man mit diesem Begriff sicherlich mehr anzufangen als noch vor einigen Jahren. Unter Veganismus versteht man den vollkommenen Verzicht auf die Nutzung tierischer Produkte. Dieser Verzicht beschränkt sich aber nicht auf Lebensmittel,sondern schließt – zumindest beim Großteil der vegan lebenden Menschen – Kosmetik, Kleidung, Schuhe, Haushaltsartikel etc. mit ein. Zum ersten Mal fiel der Begriff, als Donald Watson 1944 die „Vegan Society“ gründete, die eine Abspaltung der britischen „Vegetarian Society“ darstellte. Nach dem temporär verwendeten Begriff total vegetarian“ war Watson auf der Suche nach einem geeigneten Begriff und prägte schließlich den Begriff „vegan“, zusammengesetzt aus Anfang und Ende von „vegetarian“. 
In Österreich leben mittlerweile 2,83 % der Bevölkerung vegan. Nach England, Luxemburg und Irland stehen wir damit EU-weit an vierter Stelle. Tendenz steigend.„Vegan ist das neue Bio“ liest man in Magazinen. Trotz des derzeitigen Hypes um die vegane Lebensweise müssen sich VeganerInnen immer noch mit entsetzten Blicken, Unverständnis und vor allem Unwissenheit auseinandersetzen. Fragen wie „Was kannst du denn dann noch essen?“ sind fast an der Tagesordnung. Entgegnet man dann wie selbstverständlich „Alles!“, klingt das für die meisten komisch. Ist aber so. 

Inzwischen gibt es für alles eine vegane Alternative. Zum einen gibt es einschlägige Online-Shops, zum anderen sind in Städten wie Berlin, Frankfurt, Hamburg oder mittlerweile auch in Wien sogar rein vegane Supermärkte zu finden. Und viele Großstädte ziehen nach, auch Graz! Jedoch verstecken sich auch in „normalen“ Einkaufsfilialen manchmal mehr vegane Produkte, als man vermuten mag. Einige Firmen schildern ihre veganen Produkte mit einem VEGAN aus. Bei allen anderen setzt man sich eben ein bisschen mit der Zutatenliste auseinander. Oft wird einem hierbei auch erst einmal bewusst(er), was man überhaupt isst. Natürlich gibt es Menschen, denen das egal ist und bei denen auch der zehnte Artikel über Veganismus oder die Folgen des Fleischkonsums nichts bewirken wird. Aber als junge Menschen sollten wir uns über unsere Zukunft, die Zukunft unserer Kinder und die Zukunft der Welt, in der diese Kinder und Enkelkinder leben werden, Gedanken machen. Genau so, wie wir uns als angehende MedizinerInnen Gedanken über die eigene Gesundheit und die Gesundheit unserer Mitmenschen machen und mit der Zeit ein gewisses Gesundheitsbewusstsein entwickeln sollten. Denn Gesundheit stellt mehr als nur die Abwesenheit von Krankheit dar. Vegan ist natürlich nicht mit gesund gleichzusetzen. Isst man jeden Tag Pommes, lebt man auch vegan, aber nicht unbedingt gesund. Im Folgenden ist von einer ausgewogenen und abwechslungsreichen veganen Lebensweise die Rede. 

Zahlreiche Studien belegen, dass VegetarierInnen und VeganerInnen gesünder und länger leben, im Schnitt sogar vier Jahre. Dafür gibt es vor allem zwei Gründe:
die meisten VeganerInnen/VegetarierInnen entwickeln durch ihre spezielle Ernährung ein ausgeprägtes Gesundheitsbewusstsein und pflanzliche Ernährung bringt aus ernährungsphysiologischer Sicht einige Vorteile mit, die nicht von der Hand zu weisen sind. So stehen Vegetarismus und Veganismus in Zusammenhang mit einem niedrigeren Risiko für koronare Herzkrankheiten, Bluthochdruck oder einem zu hohen Cholesterinspiegel. Außerdem haben VegetarierInnen einen im Vergleich niedrigeren Body-Mass-Index und geringere Raten für Krebserkrankungen. Bedingt wird dies unter anderem dadurch, dass VeganerInnen weniger gesättigte Fette und Cholesterin und dafür mehr Obst, Gemüse, Vollkorn, Nüsse, Sojaprodukte, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe zu sich nehmen. Wenn man gerne vegan leben würde, sollte man sich (auch von ÄrztInnen) nicht verunsichern lassen. 
Laut der American Dietic Association, immerhin die weltweit größte Ernährungsorganisation, sind eine „gut geplante vegane und andere Formen der vegetarischen Ernährung für alle Phasen des Lebenszyklus geeignet, einschließlich Schwangerschaft, Stillzeit, frühe und spätere Kindheit und Adoleszenz“. Dennoch sollte man darauf achten, woher man bestimmte Vitamine, Nährstoffe und Mineralien bekommt. Am besten legt man sich, zumindest für den Anfang, eine Nährwerttabelle zu. Der einzige Nährstoff, den man bei der rein pflanzlichen Ernährung wirklich gut im Auge behalten muss, ist das Vitamin B 12, das, vereinfacht gesagt, eine wichtige Rolle bei der Zellteilung, Blutbildung und bei der Funktion des Nervensystems spielt. Da es in der rein veganen Ernährung heutzutage nicht mehr vorkommt, sollte man es früher oder später supplementieren (wobei es beispielsweise in bestimmten Algen in hoher Dosis enthalten ist). Aber nicht nur für uns selbst bietet die vegane – und auch schon vegetarische – Lebensweise Vorteile.
Weltweit leiden ungefähr 828 Millionen Menschen an chronischer Unterernährung, davon sterben 15 Millionen Kinder jährlich an Hunger. Anstatt ein Kilo tierisches Eiweiß zu produzieren, könnte man drei- bis 14-mal so viel pflanzliches Eiweiß herstellen, das sogar um einiges gesünder wäre! Ohne eine Erhöhung der Produktion könnten wir die doppelte Weltbevölkerung fleischlos sättigen. Stattdessen wird rund die Hälfte der weltweiten Getreideernte, die paradoxerweise auch aus der 3. Welt kommt, verschwendet. Verschwendet, um Lebewesen möglichst fett zu füttern und sie dann zu schlachten. Ähnliche Verschwendung wird aus den Werten des Wasserverbrauchs ersichtlich: Für die Nahrungsgewinnung eines/r FleischesserIn werden täglich über 15.000 Liter Wasser verbraucht, während der Verbrauch für eineN VegetarierIn mit 5.000 Liter (bzw. für eineN VeganerIn mit 1.150 Liter) um ein Vielfaches geringer ist. Doch auch die Luft in unserer Erdatmosphäre wird vergiftet und verändert sich zunehmend gefährlich. Es wurde mehrmals belegt, dass die Viehzucht für 65 % der weltweiten Stickoxidemissionen, 37 % der Gesamtmethanproduktion und 64 % der gesamten Ammoniakproduktion, die sauren Regen und Nitrat im Grundwasser verursacht, verantwortlich ist. Zusammen bewirken diese Gase den Treibhauseffekt.


Wir können nur versuchen, Dinge besser zu machen, als sie sind. Aber wir müssen im Hinterkopf behalten, dass das, was wir tun, nicht nur Auswirkungen auf uns selbst hat. Also seid kritisch, informiert euch, lest nach und stellt infrage! Es ist an uns jüngeren Menschen, Missstände wie diese zu ändern!



IN KÜRZE:

• 1944 Gründung der Vegan Society 

• Der Anteil an VeganerInnen hat sich in vielen Ländern im letzten Jahrzehnt verfünfzehnfacht! 

• Statt einem Kilo tierischen Eiweiß könnte man drei- bis 14-mal so viel pflanzliches Eiweiß herstellen.

• Viehzucht ist für 65 % der weltweiten Stickoxidemission, 37 % der Gesamtethanproduktion und 64 % der Ammoniakproduktion verantwortlich. 

• 1998 beispielsweise wurden in Österreich 680.000 Rinder, 5,4 Millionen Schweine und über 60 Millionen Hühner geschlachtet. Soll heißen, dass pro Minute(!) 1,3 Rinder, 10 Schweine und 110 Hühner sterben mussten. 

Die Zahl der weltweit für menschliche Ernährungszwecke getöteten Tiere betrug 43,2 Milliarden.


Kommentare:

  1. Toller Post!! Ich bin selbst seit ca. 10 Jahren Vegetarierin und versuche immer wieder Tage einzubauen, an denen ich mich komplett vegan ernähre :-) Hier am Land werde ich oft schief angesehen, wenn ich jemandem zu erklären versuche, warum ich kein Fleisch esse... "Ja was isst du dann? Du hast bestimmt Eisenmangel! etc. - das sind dann die Reaktionen... Aber ich bin sehr stolz auf mich, dass ich diesen Weg nun schon so lange gehe und es geht mir dabei blendend!! Auch meine Schwester ist seit mehreren Jahren Vegetarierin und es geht ihr ebenfalls sehr gut damit!

    Lg, Doris
    von Pretty Clover Beautyblog

    PS: Danke für deinen Kommentar! Sonst wär ich vielleicht nicht so schnell auf deinem schönen Blog gelandet :-)

    AntwortenLöschen
  2. Gefällt mir, selbst als Carnivore muss ich einigen Dingen zustimmen :)

    AntwortenLöschen
  3. Hallo Lara

    (toller Name übrigens ;-))


    ich bin noch immer bekennender Fleischfresser, aber bei mir findet gerade ein umdenken statt. Ich habe ernähre mich gerade 10 Tage lang vegan- auf Detoxbasis. Ich bin wirklich überrascht, wie gut Tofu schmeckt. Niemals hätte ich mich ohne diese Experiment an Tofu herangetraut. Auch wenn ich in Zukunft nicht ganz auf Fleisch verzichten kann, werde ich öfter mal Tofu in meinen Speiseplan integrieren, oder rein vegane Tage einschieben.
    Ich denke das ist ein Anfang. Dein Post regt wirklich zum nachdenken an!


    Ich folge dir nun- es ist spannend was du hier schreibst.

    Alles Liebe LARA

    www.fromhearttoheel.com

    AntwortenLöschen
  4. Über das Thema kann man sich sicherlich streiten. Ich finde es toll, dass Veganer, Vegetarier, .. es schaffen, keine tierischen Produkte zu essen, denn ich wäre dazu icht in der Lage. Ich esse Fleisch und bin auch der Meinung, dass einem ohne wichtige Mineralien & Vitamine fehlen, die man einfach nicht ersetzen kann.

    Liebe Grüße,
    Laura von wwdancer.de

    AntwortenLöschen
  5. Sehr interessant un informativ!!
    Ich ernähre mich zwar nicht ganz vegan, versuche aber möglichst wenig Fleisch zu essen... und wenn dann sowieso nur vom Biobauernhof um die Ecke ;)

    http://coco-colo.blogspot.de/

    AntwortenLöschen
  6. so true... we do not need animals to get an adequate source of protein in our diets any more so there is no need to eat them!

    AntwortenLöschen
  7. ein wirklich toller Post <3

    Liebe Grüße petite fabéli

    http://petitefabeli.blogspot.de/

    AntwortenLöschen

Immer schön lieb sein :)